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Elektrisch, aber klassisch

11.5.2026
Avatar von Hartmut Adam
Hartmut Adam
4 Minuten

Der Mercedes GLB orientiert sich optisch wieder an typischen Mercedes-Tugenden – und ist trotzdem ein moderner Stromer

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Zurück aus der Zukunft: Als Mercedes vor einigen Jahren mit den Limousinen EQS und EQE sowie den entsprechenden SUV-Versionen seine Elektro-Offensive startete, gehörte ein extravagantes und glattgeschliffenes Design zum selbstbewussten Aufritt. Dass nicht alle Kunden begeistert zugriffen, schreibt man mittlerweile auch dieser Formgebung zu. Den neuen GLB aber dürften auch die konservativen Teile der Klientel wieder mögen. Das Mittelklasse-SUV mit immerhin zwei Tonnen Anhängelast wirkt zwar modern, aber keinesfalls mehr futuristisch.

Was möglicherweise auch daran liegt, dass auf den Stromer wiederum Verbrenner-Versionen mit Hybrid-Unterstützung folgen werden. Von dieser technologischen Offenheit profitieren die Käufer des reinen Elektroautos ebenfalls. Finden sie unter der Fronthaube doch einen üppigen Frunk vor, der neben dem Ladekabel auch kleinere Koffer und mittelgroße Einkäufe fasst. Er dient als Platzhalter für den geplanten Verbrennungsmotor, und beweist so ganz nebenbei die Cleverness des schlanken Elektroantriebs.

Trotz den Kompromissen, die eine Auslegung für verschiedene Antriebsarten nun einmal mit sich bringt, bietet der 4,73 Meter lange GLB innen ausreichend Platz – und sogar die Option einer dritten Sitzreihe. Der Zuwachs gegenüber dem Vorgänger, dem EQB, von mehreren Zentimetern in allen Dimensionen zahlt sich hier zweifellos aus.

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Der gigantische, extrabreite Digital-Screen wirkt, wie schon im kompakten CLA, wie aus dem Raumschiff Enterprise in den Benz gebeamt. Er dominiert optisch das gesamte Interieur, und wird durch eine Vielzahl echter Tasten im Lenkrad ergänzt. Der Gegensatz zum direkten Konkurrenten, dem BMW iX3 der Neuen Klasse und dessen schmaler Infoleiste unter der Frontscheibe, könnte kaum größer sein. Das dazugehörige Betriebssystem MBUX funktioniert immerhin tadellos, inklusive Sprachbedienung. Hier müssen sich die Schwaben hinter keinem Chinesen verstecken.

Bei der Preisgestaltung schon eher. Denn trotz den stolzen Einstiegstarifes von über 50000 Euro bleiben Mercedes der Weltmeister der Extrakasse. Die klingelt für zahlreichen Optionen nicht nur beim Kauf oder der Leasing-Kalkulation, sondern auch danach: Über einen Online-Store lassen sich viele Funktionen, etwa eine besonders detaillierte Routenplanung mit Ladesäulen, per Abo freischalten – der weit verbreiteten tiefen Abneigung gegen dieses Bezahlmodell zum Trotz.

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Allzu genau müssen GLB-Eigner sowieso nicht wissen, wann und wo sie Strom zapfen können. Das können sie angesichts einer Reichweite von offiziell 631 Kilometern flexibel und spontan erledigen, selbst die realistischen 500 Kilometern entsprechen noch denen vergleichbarer Benziner. Auch dauert das Laden dank 800-Volt-Technik mit bis zu 320 Kilowatt nur noch unwesentlich länger als der Besuch einer Tanke. Nach Hersteller-Angaben lässt sich Energie für 260 Kilometer in gerade mal zehn Minuten nachladen. So empfiehlt sich das elektrische Mercedes-SUV ohne jeden Zweifel auch als Mittel der Wahl für Langstrecken-Fahrer. Dies auch wegen des hohen Fahrkomfort: Die Abstimmung von Federung und Dämpfung ist genauso, wie es Mercedes-Fahrer seit Jahrzehnten ewarten und bekommen – unabhängig von der Antriebsart. Das gilt auch für das hochwertige Interieur, inklusive konkurrenzloser Details. So glänzt auf der Dachhimmel auf Wunsch mit 158 LEDs in Sternform, vergleichbares kennt man sonst nur von Rolls-Royce. Elf Ambiente-Styles individualisieren das Interieur, wer es mag, kann ein virtuelles Lagerfeuer auf dem Screen entfachen. Das alles braucht man nicht, um von A nach B zu kommen – zeigt aber, wie Mercedes daran arbeitet, sein Premium-Ruf ins elektrische Zeitalter zu retten.

Auch bei den Fahrleistungen lassen die Stuttgarter sich nicht lumpen; das neue Stromer-SUV lässt sämtliche auch nominell vergleichbaren Verbrenner klar hinter sich. Schon 224 Basis-PS reichen für einen beeindruckenden Spurt von der Ampellinie; und mehr Power, als die derzeitige Topversion mit 354 PS auf die vier Räder lässt, braucht wirklich kein Mensch. Schon gar nicht, wenn er in einem äußerlich konventionellen Mercedes-SUV mit sieben Plätzen sitzt.

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Technische Daten: Mercedes GLB EQ 200/250+/350 4matic

Motor: 1 oder 2 Elektro

Leistung: 165/200/260 kW (224/272/354 PS)

Antrieb: Front oder Allrad

Getriebe: Eingang

Maße L/B/H: 4.732/1.861/1.681 mm

Vmax: 210 km/h

Beschl. 0 – 100 km/h: 8,2/7,4/5,5 Sek.

Leergewicht: ab 2.185 kg

Kofferraumvolumen: 540 – 1.715 l

Reichweite: bis 631 km (WLTP)

Ladeleistung: bis 320 kW (DC)

Ladedauer: 10-80%: 18 Min

Preis: ab 50.397 Euro