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VinFast VF 6: Elektrischer Exot im Kompakt-SUV-Segment

20.1.2026
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Hartmut Adam
4 Minuten

Mit dem VF 6 bringt der vietnamesische Hersteller VinFast ein kompaktes Elektro-SUV auf den deutschen Markt. Zwei Leistungsstufen, konkurrenzfähige Preise und eine lange Garantie sollen Käufer überzeugen. Ein genauer Blick zeigt, wo der Newcomer punktet – und wo noch Fragen offenbleiben.

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Der Markt für kompakte Elektro-SUVs gehört zu den umkämpftesten Segmenten in Europa. Modelle wie VW ID.4, Hyundai Kona Electric oder Peugeot e-2008 setzen hier die Maßstäbe. Mit dem VF 6 steigt nun auch VinFast in diese Klasse ein. Der vietnamesische Hersteller, der erst seit wenigen Jahren auf internationalen Märkten aktiv ist, will sich mit attraktiven Preisen, umfangreicher Serienausstattung und großzügigen Garantieleistungen positionieren.

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Der VinFast VF 6 misst 4,25 Meter in der Länge und ordnet sich damit klar im Kompaktsegment ein. Optisch zeigt sich das E-SUV zurückhaltend modern, mit klaren Linien, kurzen Überhängen und einer geschlossenen Frontpartie. Markentypisch ist die V-förmige Lichtsignatur an Front und Heck. Insgesamt wirkt das Design gefällig, ohne starke Akzente zu setzen – ein Ansatz, der auf breite Akzeptanz zielt.

Zum Marktstart wird der VF 6 in zwei Varianten angeboten: Eco und Plus. Beide nutzen einen Frontantrieb und einen rund 60 kWh großen Lithium-Ionen-Akku. In der Basisversion Eco leistet der Elektromotor 130 kW (177 PS). VinFast gibt für diese Variante eine WLTP-Reichweite von bis zu 410 Kilometern an. Die stärkere Plus-Version kommt auf 150 kW (204 PS), verliert durch die höhere Leistung jedoch etwas Reichweite und liegt bei 379 Kilometern nach WLTP.

Detaillierte Angaben zur maximalen DC-Ladeleistung macht VinFast bislang nicht. Der Hersteller nennt lediglich eine Ladezeit von 10 auf 70 Prozent in etwa 25 Minuten. Das deutet auf eine Schnellladeleistung im Bereich von rund 100 kW hin, bleibt aber hinter der Transparenz vieler Wettbewerber zurück. Für den Alltag dürfte die Ladegeschwindigkeit ausreichend sein, für Vielfahrer auf der Langstrecke bleibt hier jedoch noch Klärungsbedarf.

Im Innenraum setzt der VF 6 auf eine moderne, digital geprägte Gestaltung. Zentraler Blickfang ist ein 12,9 Zoll großer Touchscreen, über den nahezu alle Fahrzeugfunktionen gesteuert werden. Klassische Tasten sind kaum vorhanden. Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig integriert. Die Materialqualität wirkt solide, wenn auch nicht auf Premium-Niveau. Die Verarbeitung macht insgesamt einen ordentlichen Eindruck, ohne besondere Highlights zu setzen.

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Die Ausstattung fällt bereits in der Basisversion Eco umfangreich aus. Serienmäßig sind unter anderem 17-Zoll-Leichtmetallräder, ein adaptiver Tempomat, verschiedene Assistenzsysteme sowie die vollständige Smartphone-Integration an Bord. Die Plus-Variante rechtfertigt ihren Aufpreis von rund 4.000 Euro mit zusätzlichen Komfort- und Designmerkmalen. Dazu zählen 19-Zoll-Räder, ein Panorama-Glasdach, ein elektrisch einstellbarer und belüfteter Fahrersitz sowie ein Head-up-Display.

Zum Fahrverhalten liegen erste Eindrücke vor, die auf eine komfortorientierte Abstimmung hindeuten. Der VF 6 richtet sich klar an Alltagsnutzer, nicht an sportlich ambitionierte Fahrer. Lenkung und Fahrwerk sind auf entspanntes Fahren ausgelegt, die Leistungsentfaltung des Elektromotors erfolgt gleichmäßig und ohne Überraschungen. Damit positioniert sich der VinFast eher als rationales Mobilitätsangebot denn als emotionales Fahrerauto.

Ein starkes Argument ist das Garantiepaket. VinFast gewährt auf den VF 6 eine Fahrzeuggarantie von sieben Jahren oder 160.000 Kilometern. Für die Hochvoltbatterie gilt eine Garantie von acht Jahren ohne Kilometerbegrenzung, wobei eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent zugesichert wird. In diesem Punkt übertrifft VinFast viele etablierte Hersteller und adressiert gezielt mögliche Vorbehalte gegenüber einer noch jungen Marke.

Preislich startet der VF 6 Eco bei rund 35.000 Euro, die Plus-Version liegt entsprechend bei etwa 39.000 Euro. Damit positioniert sich VinFast leicht unterhalb vieler europäischer Wettbewerber mit vergleichbarer Größe und Leistung. Ob dieser Preisvorteil ausreicht, um sich gegen bekannte Marken durchzusetzen, wird maßgeblich von Praxiserfahrungen, Ladeinfrastruktur-Integration und dem Ausbau des Händler- und Servicenetzes abhängen.

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Fazit:

Der VinFast VF 6 ist ein sachlich kalkuliertes Elektro-SUV für das volumenstarke Kompaktsegment. Er überzeugt mit ordentlicher Reichweite, guter Serienausstattung und einem außergewöhnlich langen Garantieversprechen. Gleichzeitig bleiben Details zur Ladeleistung und zur Langstreckentauglichkeit noch vage. Als elektrischer Exot bietet der VF 6 ein interessantes Gesamtpaket für preisbewusste Käufer, die offen für neue Marken sind – ohne dabei nach sportlichen oder luxuriösen Akzenten zu suchen.