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Stories

eine Hommage an das Lebensgefühl zwischen Lago und Ligurien

15.4.2026
KA
Konstantin Arnold
17 Minuten

Eleganz, Stil und Sinnlichkeit: Bentleys Riviera Collection verkörpert den unvergesslichen Sommer am Mittelmeer – von Norditaliens Seen bis ans Meer.

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Natürlich kann man nicht einfach erzählen, wie eine Reise war und erwarten, dass jemand was damit anfangen kann, wenn er nicht schon selbst da gewesen ist oder Lust dazu hat, an einer Hotelbar, in Cernobbio, mit dem Barmann darüber zu reden. Es gibt auf Reisen immer gute Geschichten und lustige, die die Leute mögen und sie wollen auch hören, wie man in einem Bahnhofslokal, in Busto Arsizio, festsaß, kein Zug mehr ging. Die Bar war lang und ging durch den Raum und man konnte sie vom Vorplatz und vom Gleis aus betreten. Reisende und Einwohner kamen hier zusammen. Männer an Theken, billige Reginella, aber mit Liebe gemacht, Kaffee, der 22 Sekunden lief. Ganz mein Geschmack, auch wie da zum Bahnhof hin Bar geschrieben steht. Ich trank Averna mit einer, die die Männer an der Theke Valentina nannten, mit Haaren bis zum Po, Beine zum Hals, die nötigen Helfersyndrome. Sie lud mich ein und wir gingen Essen, fürchterlich, apulische Küche, ich kann und will so nicht erzählen, nur mittelmäßige Geschichten, ohne Liebe, lassen sich so schreiben, von Autoren, wie ich einer war, bevor ich einer wurde und mich verliebte. Die wirklich guten Geschichten behält man für sich oder schreibt sie auf oder wartet, bis die Leute da gewesen sind und mehr hören wollen oder sich verlieben und wissen, was es heißt, wenn man sagt, dass man heute nicht viel getrieben hat. Man kann nicht einfach erzählen wie oft man es getan hat und den Bentley nach drei Flaschen Rosé im Café de La Place über die Hügel von Nizza jagte und wie schön sie aussah, als sie, bei 240, das Meer zu ihrer Rechten, schneller! schneller! schneller! schrie. Das wurde mir am Ende sehr klar, als wir im Café des Amis saßen, mit Freunden, wie der Name schon sagt, die sich darüber echauffierten. Man konnte denen höchstens vom Grand Hotel du Cap Ferrat erzählen, weil man dort festsaß und die Rechnung nicht zahlen konnten und den Sprit, um den Achtzylinder zurück nach zu Mailand zu bekommen und Franz in Wien schrieb, einem Verleger, dem ich vorheulte, dass wir hier festsitzen, wie tote Idole und die Drinks zahlen müssten und den Sprit. Hätte ich ihn nach was anderem gefragt, nach was zum Anlegen, Geld für Miete oder eine Lebertransplantation, er hätte nie was bezahlt, aber so gab er uns etwas Geld, das sogar noch für neue Drinks unterwegs reichte. Franz war vielleicht der einzige Verleger, der das heute noch verstand.

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Negroni, der Drink für besondere Anlässe

Die Reise ging von den Seen Norditaliens übers Land, bis ans Meer, ohne zu wissen an welches. Man fragt sich auf dem Weg von Mailand an die Riviera aber, ob es sinnvoll ist, für ein paar Negronis extra zwischen Cernobbio und Ravenna zu halten. Angelo arbeitet im Sommer da in der Villa d’Este, nachdem er den Winter in St.Moritz im Kulm gearbeitet hat. In den Bergen leitet er das Grand Restaurant, hier bringt er einem die Drinks und wenn er einem die Drinks gebracht hat, an einem Sommerabend unter Bäumen, mit Blick auf den See und dem Knirschen seiner Schritte im Kies und dem Klang von Eiswürfeln im Glas, das von ihm über den Kies getragen wird, fragt man sich das nicht mehr. Man schwelgt in Erinnerungen und denkt über den Sommer nach, die besten der alten Orte und einige neue, an denen man mit seinem Leben weitermachen würde.

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Como immer schon besonders

Seit Menschen reisen sind sie von dieser Region begeistert. 196 vor Christus erobern Römer Como und das südliche Tessin. Ein halbes Jahrtausend später kommen Alemannen von Norden her, werden aber von den Römern aufgehalten. Gott sei Dank. Dazwischen Langobarden, 1496 der Treueeid, 1530 werden Locarno und das Maggiatal eidgenössisch. Nirgendwo knallt das Mediterrane so gewalttätig auf das Alpine. Nirgendwo ist ein Küstenort so sehr in den Bergen. Man fährt durch einen Tunnel und ist im gleichen Land zwei verschiedener Nationen. Vorbei die grünen Wiesenteppiche der Schweiz, die Postkartenkulissen, der Buttermilchfrieden. Jedes Dorf hatte seinen Brunnen und seine Post und sein Gasthaus zur Post. Die Kirchtürme stehen hoch und hohl im Tal, wie Antennen zu Gott. An den Straßen weltmännische Dorftypen, die ihr Moped an einer Bushaltestelle testen und einer Monica Bellucci hinterherrufen. Ein Wirt im Lokall, der die erste Zeile von Verdis La Traviata pfeift. Es soll für die Bewohner des Sees keine Erlösung geben, kein Paradies, weil sie hier schon da leben durften. Altgediente römische Legionäre verbrachten hier ihren Lebensabend. Flaubert hielt die Region für den sinnlichsten Ort der Welt, sogar der Orient Express hielt damals in Stresa. Hier schafften Künstler, unter Palmen voll Pasta, endlich mal nichts zu. Nirgends wurde sich in der Literatur schöner vorm Krieg versteckt. Die Sehnsüchte der Menschen spiegeln sich in den Wellen wieder, die manchmal blau und meistens grün sind. Die Welt könnte untergehen und man würde das hier erst ein paar Tage später mitbekommen, durch die unaufgeregte Information eines Concierge. Man sagt, dass, die Götter hier in den Wolken wohnen und im Regen die Frauen befruchten und Stendhahl schrieb, wer zufällig ein Herz und ein Hemd besitzt, verkaufe es um am Lago di Como zu leben.

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Ist eigentlich ein Hotel ein Zuhause?

Es gibt mittlerweile viele Hotels hier am See und es gibt die Villa d’Este. Keins gibt es so lange und keins wird es länger geben und keins ist so nah am See. Alte italienische Familien finden hier seit Generationen ihr Zuhause, wenn sie den Sommer über nicht Zuhause gewesen sind. So ein Hotel ist ja ein Haus, in dem man eigentlich nicht zuhause ist. Die Zimmer gehören mehr denen, die es aufräumen, den Eingang bewacht ein Portier und der Nachtisch ist eine Pflicht den Kellnern gegenüber. Das Treiben ist hektisch. Ein Schaulaufen, wie im Tremezzo mit all den üblichen Verdächtigen, Blendern, Salonlöwen, Gehversuchen und denen, die da sein müssen, die üblichen paar Tage im Jahr. Aber es gibt Hotels, in denen man richtig leben kann, wie in seinem Leben, und diese Villa ist so ein Hotel, sogar sterben könnte man da. Die Lobby ist himmelhoch, die Kellner tragen Manschettenknöpfe und verteilen Häppchen. Zwischen klassischen Häusern wie dem und neureichen Scheißhäusern, in die Leute gehen, um reich zu sein, liegt ein Unterschied in Form einer Wahrheit, die jeder selbst entschlüsseln muss, in dem er herausfindet, welche gemeint ist. Sie ist auf jeden Fall nicht mit Geld gleichzusetzen, außer für Leute, die den Wert von etwas nur kennen, wenn sie wissen, was etwas wiegt, welches Maß es misst oder wie viel es kostet. Wir bekamen eine Suite in der Mitte des Hotels. Eine ältere Dame prostete uns zu, als man uns den Balkon zeigte. Ich stellte meine Schuhe vor die Tür und gab unsere Wäsche auf. Es war schwer dann unglücklich zu sein und nach zwei Flaschen und einer Schachtel Kippen mit Blick auf den See war alles wieder gut und wir im Bett. Danach gingen wir Schwimmen, nahmen ein Bad und liebten uns nochmal. Wir sahen vom Bett durch die offenen Fenster zum See, an den schweren Villa D’este Vorhänge vorbei, die wie Bilderrahmen, den See einfingen. Man sah den See und das Ufer, ganz ruhig, ein Traum zum Riva fahren, und sah noch etwas mehr. Wir sehen uns die Dinge ohnehin nie lange genug an, mit unserer eigenen, reduzierten Bildfrequenz, die doch, so scheint es, die Zeit anhält, in dem sie ihre Wahrnehmung verlängert.

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Bei einem Drink auf die Liebste warten

Wir lagen lange danach lange so da und rauchten und sahen auf den See und sahen, wie die Welt dunkler wurde, mit dem großen Dunklen des Sees und den Reflexionen der Dörfer auf der anderen Seite, die sich am Abend zeigten. Dann machten wir uns fertig. Ich ging schon mal runter, weil sie sich länger fertig machen musste und ich es kaum erwarten konnte, unter Kastanien, mit einem Drink, auf sie zu warten, bis sie ganz und gar fertig war, ohne das ich was für sie tun musste. Außerdem ertrage ichs nicht, wenn man sich beim Ankleiden sieht, die Unentschlossenheit, die Selbstzweifel, die Sachen, die nicht mehr passen. Ich mache dann, was ich immer mache, warten und hoffen, dass das ohne Smartphone jemand sieht. Der Kellner ließ nicht lange auf sich warten und brachte Negroni im dunklen Jackett auf einem Silbertablett. Ich konnte ihn im Kies herankommen hören, den Klang von Eis im Glas, eine Entschuldigung am Leben zu sein. Das sind die Abende für die man den Tag über lebt. Man hat den Drink vor sich, Zigaretten und einen Abendhimmel in den man die Rauchen kann. Man hat Hunger und Lust, die nach dem Essen nicht wegging und eine Reservierung mit jemandem auf den man warten kann. Man lebt in einer glücklichen Zeit. Sieben Tausend Angestellte sorgen Abend für Abend dafür, dass das so ist. Ich dachte über die alte Dame nach, die wir in der Bar gesehen hatten und dachte, dass die sicher auch mal jung war und spät beim Apéro saß, weil sie gestritten hatte und sich wieder vertrug und schwimmen und Liebe machen musste, bevor es zum Essen ging und nun hier ist und ihrer alten Tage gedenkt und sich an unseren erfreut und denen, die sie noch hat. Der Garten schafft Stille um dich her. Dann wieder Knirschen im Kies und ich wusste, wem diese Beine sind. Sie trug ein schwarzes, kurzes Kleid und hatte einen Blazer drübergelegt. Zum sterben schön, mit den langen Fingern und dünnen Armen und den spitzen Schulten und braunen Beinen und diesem magisch nordafrikanischen Gesicht. Ich hätte nie gedacht, dass man so von der Frau schreiben kann, mit der man ist. Es macht natürlich Angst so zu fühlen und ich hoffe, sie fühlt das auch, ohne mein Fühlen von ihrem abhängig zu machen.

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Perfekter Service mit Blick auf den See

Es wurde ein wunderschönes Dinner. Das Essen war gut, die Kellner schnell, der Wein kam kühl. Wir saßen nebeneinander an runden Tischen, den See im Blick, das Restaurant im Rücken und aßen Turbot mit Kaviar, Ravioli mit Shrimps, Egg Jogg mit Schweigen. Das Licht war angenehm, die Temperatur perfekt und man konnte sich beruhigt den Tatsachen hingeben, ohne sie aneinander auszulassen. Manchmal sahen wir uns beim Essen an, sagten nichts, brauchten auch nichts, denn Sagen wäre dann nur das Ausmerzen von Zweifeln gewesen. Man wusste es und lächelte, was vielleicht das beste war, was man sagen konnte. Um uns saßen alte, italienische, aristokratische Familien, die seit Generationen kamen und gleich hinter uns ein altes, italienisches, aristokratisches Paar, dass viel sagte. Sie sagte irgendwas von wegen, er hätte mal wieder alles falsch verstanden, was wahrscheinlich an uns Männern lag. Zum Nachtisch aßen wir Crêpes Suzette und hofften, die später an der Bar zu treffen. Wir wollten ein bisschen tanzen und als wir kamen, tanzten die auch schon wie man nur Tanzen kann, wenn man alles miteinander durchgesprochen hat. Wir bestellten und kamen auch gleich ins Gespräch. Sie sagten, sie kämen seit dreißig Jahren hier her und wären seit 60 zusammen und machten uns ein nettes Kompliment. Es war die Art Paar, die sich freut, weil es die Sache mit der Liebe gelebt und geschafft und verstanden hatte und noch etwas weiter leben kann. Sie war steinalt, aber konnte noch ganz wunderbar trinken. Wir tranken und sprachen über Beziehungen und dann eine Zeit über Businesssachen, die ich nicht verstand und dann wieder Beziehungen und den Papst, der sagte, man dürfe nie wütend miteinander ins Bett gehen. Sie hielten davon nichts und ich war froh, endlich Leute zu treffen, die davon auch nichts hielten. Sie empfahlen aber, uns einfach auszuziehen, wenn wir das nächste Mal wütend sind, ohne dass das den Streit besser macht.

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Was Grandhotels bis heute erzählen

In dieser Nacht brauchten wir nichts von ihren Ratschlägen. Wir schliefen bei offenem Fenster, ohne Angst. Ich wachte ein paar mal auf und hörte das Wasser schwappen und sah auf den See. Jemand, der noch wach war, ging über den Kies. Ich sah sie im Mondlicht schlafen und war sehr glücklich im Bett auf der Welt mit ihr zu sein, obwohl ich noch ein ganzes Stück Nacht vor mit hatte. Wir hatten miteinander geschlafen, erst zart und dann hart und dann ganz eng zusammen und wir lagen lange so da, leer und und froh und allein, ohne einsam zu sein, weil man die Einsamkeit der Nacht miteinander teilen konnte und wusste, dass der nächste Schaumwein nun nicht weit war. Das ist die Botschaft der Grandhotels, Schlafwagen und Kaffeehäuser, eine zeitliche Grenzenlosigkeit, Immerbereitschaft, Morgenröte, Abend für Abend, immer ein neuer Morgen, der sein Versprechen über den Tag halten will. Ich wurde früh wach im Morgengrauen und schrieb und sah aus dem Fenster. Ich sah wie die Sonne hinter den Bergen vorkam und ihr erstes Licht auf den See warf und die Nacht aus den Wäldern und Gedanken trieb. Der See war noch ganz ruhig, ein Traum zum Riva fahren. Ich überlegte zu schwimmen, überlegte es aber nur und schlief nochmal ein. Dann hörte ich die ersten Boote und wusste, dass die Nacht vorbei war. Ihr Kopf lag unter meinem Arm und und sie begann mich zu küssen und ich nahm ihren Kopf und küsste ihn mehr. Hinterher schliefen wir noch mal ein und noch mal miteinander, bis wir glaubten, das Frühstück gar nicht mehr zu erleben und sie mich fragte, ob das alles wäre und ich ein für alle mal Schluss machen wollte mit ihr. Danach war es still, wie nach einem Mord. Die letzten Zuckungen einer erfüllten Lust und taube Zähne. Ausgefüllte Leere. Frieden auf der Welt. Es war einer von diesen Morgen, an denen man schon einen Tag gelebt hatte, bevor er überhaupt begann, weil man die ganze Nacht frische Luft atmen konnte. Man konnte dann schon vor dem Frühstück trinken oder Briefe schreiben wie in Ravello oder Liebe machen wie in Triest.

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Wenn Eleganz Fahrt aufnimmt:Riva-Boote

Meistens fuhren wir danach mit dem Boot. Angelo kannte wen und der hatte ein Riva Boot dafür da, den Bentley der Seen und den der Meere. Das Schönste, was überhaupt je gebaut worden ist. Das Mahagoni, die Pfeilform und Farben und wie sich das alles mit dem See und den Bergen zusammentut und eine Frau, die hinten vor der Italienflagge, auf einem sitzt. Erio, der Fahrer, war ein toller, alter Italiener mit weißem Haar und Basecap, wie aus dem Bootbilderbuch, der lässig mit einer Hand fuhr und mich am Haus der Cloneys vorbei fahren ließ. Mit an Board war noch ein anderer toller Mann, der Englisch sprach und noch keine weißen Haare hatte, aber auch ein sympathischer Italiener war. Er erzählte die ganze Story der Rivas und den anderen Rivas, die gar keine richtigen Rivas waren. Die richtigen Rivas waren einfache, bodenständige Leute, mit bodenständigen Problemen und einer traurigen Geschichte, die hier nicht hingehört, aber zeigt, was Familie wirklich ist, nicht nur, was man so sagt und was sie sein sollte. Ich hatte keine Ahnung, warum sie uns so nett behandelten und was der Concierge ihnen gesagt hatte, wer wir sind, wir waren unwichtig. Sie aber hatten den Lago di Como erfunden und überhaupt erst für die Legende gesorgt. Das Heck eines Riva Boots mit Italienflagge im grünen Wasser, das ist wie Beckenbauer für Adidas, Senna, Ferrari, Parmesan für die Emilia, der Eifelturm für Paris, der Untergang für die Titanic.

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Als das Wetter umschlug, fuhren wir weiter

So gingen die Tage hin. Wir hatten wie jeden Abend einen Tisch in der Veranda gehabt und tanzten mit dem italienischen Paar und nur einmal aßen wir in unserer Zeit am See in einem anderen Restaurant, weil Menschen nun mal so sind. Es war ein grauenhaftes Lokal, mit grauen Wänden auf der anderen Seite von Lecco. Wir waren so geil auf dem Weg, dass wir überlegten irgendwo halt zu machen, aber wir waren spät dran, wie immer, und noch ein bisschen später und dachten, das auf dem Rückweg nachholen zu können. Aber selbst, wenn man sich den Dingen nicht einfach ausliefert und Verantwortung übernimmt und versucht, sie nicht aneinander auszulassen und in Frage zu stellen, ist das nach so einem Dinner unmöglich. Das Essen war fürchterlich. Wir führten eine Unterhaltung darüber, was Hunger ist und Lust, und Hunger der danach noch da ist und einen nicht so leer zurücklässt, ohne das man mehr davon will. Natürlich hatte man manchmal nur aus Hunger gegessen, ohne Lust, was das Essen nicht besser machte. Wenn man Hunger hatte und Lust und das Essen gut war, war der Hunger unstillbar, egal wie oft und wie viel man aß, er wurde größer, um so mehr man versuchte, ihn zu stillen. Das war der Beste und es war das beste, so zu essen und mit Apéro vorher, so dass man den Hunger, der danach noch da war, auch genießen konnte.
Ich gehe soweit zu sagen, dass nur ein Mensch, der Essen schätzt, überhaupt in der Lage ist, einen anderen Menschen zu lieben. In meiner letzten Beziehung hatte ich am Ende nur noch das Essen und den Apéro gehabt, ohne das davor, obwohl mir das immer wichtiger gewesen ist. Das konnte Sport sein oder getane Arbeit, Liebe, die wie Sport gemacht wird, irgendetwas, das nicht einfach nur Essen ist. Es kommt noch vor den Kellnern, dem Ort an dem man isst, mit wem, was und das man es miteinander teilt. Aber die Wände dieses Lokals waren so grau und falsch und die Kellner so mitleiderregend, dass man sich nicht mal über das schlechte Essen aufregen konnte. Es war der Beweis, dass man großen Hunger miteinander haben konnte und wusste, was gut ist und schlecht und das Schlechte bleiben ließ und lieber nichts weiter im Bauch hatte. Diese Leute hatten uns um eine Mahlzeit unseres Lebens gebracht und auf dem Rückweg, war der Hunger noch da, nur das Gefühl, durch den Magen ersetzt.
Der tat nicht weh, man spürte nur, dass man einen hat, was unangenehm war. Ich überlegte einfach in eine von diesen unbefestigten Straßen zum See runter zu fahren, um es zu tun und irgendwo am Straßenrand im Bentley Liebe zu machen, aber es wäre nichts als erzwungen gewesen und nichts von dem, was wir fühlten. Ich fragte mich, wie viel davon Hunger ist, wenn er bei einem Gedanken vergeht und nach dem Essen noch da ist und ich fragte sie und sie sagte, sie wüsste es nicht, es gäbe so viele Formen davon, Erwartungen wären nur eine davon. Im Frühling hätte man mehr. In der Nacht zuvor war er da vor dem Essen und als wir einen Tisch bekamen und gegessen hatten und mit den Alten tranken und uns beim offenen Fenster liebten noch viel mehr.
Ich fragte mich, wie viel davon Hunger ist, wenn er danach noch da ist und an welches Meer wir nun fahren.
Zwischen Norden und Süden gedeiht eine Liebe prächtig, aber am nächsten Tag, als das schlechte Wetter blieb, fuhren wir.

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Wenn sich Wege an der Riviera
wieder kreuzen

Also wir fuhren nicht gleich, wir fuhren noch ein bisschen rum. Ich zeigte ihr, wo Mussolini erschossen wurde, bevor man ihn kopfüber in Mailand aufhängte und sich meine Freunde früher ihre Joints drehten. Dann liefen wir die Gärten der Villa D’este ab und ließen unser Auto vorfahren.
Ich mochte wie Angelo meinte, dass das kein Auto wäre, sondern der Bentley. Er gab mir eine neue Zeitung mit und sagte, dass der Papst gestorben sei, falls ich das noch nicht mitgekriegt hätte, Seite Fünf. Er dachte, mir das mitzuteilen, weil meine Zeitung schon wieder eine Woche alt ist.
Er sagte, er wäre nicht kirchlich, wolle aber in keiner Welt ohne Päpste leben. Ich dachte darüber nach und ich glaube das wollte ich auch nicht, schon gar nicht ohne die Kirche im Dorf, die man von weitem sehen kann, nachdem man sich in den Feldern geliebt hat.

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