Für das Design von Elektroautos gelten derzeit drei beliebte Optionen: Entweder sie wirken sehr futuristisch, oder ganz normal wie der Verbrenner von nebenan. Oder sie fahren voll auf Retro-Kurs. Letzteres gilt für den Fiat 500 (den es bald übrigens bald auch wieder mit als Hybrid-Benziner gibt), natürlich alle Mini-Modelle – und den R4 und R5 von Renault.

Nun setzen die Franzosen ihren nächsten Kult-Klassiker unter Strom: Den Twingo. Der City-Flitzer soll ausschließlich mit Elektroantrieb hierzulande für unter 20.000 Euro zu haben sein; mit einem Styling, das sich am niedlichen Babyface-Look des Originals von 1993 orientiert. Allerdings ist der Neo-Twingo mit 3,79 Metern deutlich länger, und behält auch die fünf Türen seines direkten Vorgängers (der seine technische Basis dem Smart Forfour teilte).
Das stört de frech-frischen Auftritt des Renault Twingo E-Tech allerdings kein bisschen, ebenso wenig wie die gestrafften Linien und die zeitgemäße LED-Beleuchtung. Das klassische Twingo-Feeling stellt sich beim Betrachten sofort ein. Und es setzt sich im Interieur fort. Zwar prangen dort nun digitale Screens, aber die komplette Anmutung wirkt „spielerisch und farbig“, wie die Renault-Designer hoffen – und ja, sie haben geliefert. Dabei bleibt der Innenraum aber stets praktisch, etwa durch Übernahme der Youclip genannten, flexiblen Allzweck-Halterungen der Renault-Tochter Dacia. Die längs verschiebbaren zwei Rücksitze (wie beim Original war es noch die Bank am Stück) schaffen entweder bis zu 16 Zentimeter Knieraum, oder 360 Liter Kofferraum. Das Ladekabel verschwindet in einer separaten Box unter dem Zwischenboden.

Für ein Fahrzeug des A-Segments, wie solche Kleinstwagen offiziell heißen, sind diese Werte üppig. Möglich macht´s natürlich die Elektroplattform namens AmpR Small, und deren Package mit den weit an den Ecken platzierten Rädern mit bis zu 18 Zoll großen Rädern. Nicht ganz so üppig fällt der Akku in LFP-Technologie aus. Mit 27,5 Kilowattstunden soll er laut Hersteller 263 Kilometer non-stop schaffen. Für den wahrscheinlichen Einsatzzweck in und rund um die City dürfte das allemal passen, zumal der reale Wert im Stadtverkehr generell nicht viel von dem der WLTP-Norm abweicht.
In Deutschland wird der Neo-Twingo ausschließlich mit der Typ-2-Ladebuchse ausgeliefert, die Gleichstromladen erlaubt. Auch für die maximal erreichbaren 50 Kilowatt gilt: Nicht gerade rekordverdächtig, aber der Akku-Größe und dem Einsatzzweck angemessen. Ungewöhnlich für diese Autoklasse ist die Möglichkeit des bidirektionalen Ladens. So kann der kleine Renault Elektrogeräte ebenso mit Strom speisen (V2L: Vehicle to Load) wie das öffentliche Stromnetz (V2G: Vehicle to Grid) – sobald irgendwann mal die gesetzlichen Regelungen dazu stehen.

Die Fronthaube ist fest installiert, lediglich eine Klappe zum Einfüllen von Scheibenwischwasser lässt sich öffnen. Vorne gibt es also keinen Frunk, sondern ausschließlich Antriebs-Technologie mit dem 82 PS starken Einheits-E-Motor. Der stammt aus China, was den meisten Kunden angesichts des niedrigen Einstandspreises ziemlich egal sein dürfte. Zwar lässt sich der kleine Franzose mit aufpreispflichtigen Ausstattungs-Varianten wie Techno weiter aufpeppen – eine Kampfansage an VW und den geplanten ID.1 (oder ID.Up, wie der möglicherweise heißen könnte) bleibt der elektrische Renault Twingo allemal. Zumal er schon sehr bald beim Händler steht, und den zu erwartenden Reigen der preiswerten Stromer eröffnet.
