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Zur grünen Hölle

20.1.2026
ME
Marcus Efler
3 Minuten

Das haut den stärksten V8 weg: Mit sechs Zylindern und E-Motor leistet der Plug-in-Antrieb des 296 Speciale 880 PS. Eine Probefahrt in und um Maranello

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Die Rundstrecke von Fiorano ist 3,02 Kilometer lang, hat acht Kurven sowie eine Kuppe, bei der man nicht sieht, was dahinterliegt, wenn man mit Tempo 200 darüberfliegt. Früher testete Ferrari hier, auf seinem eigenen Rennkurs, seine Formel-1-Boliden. Mittlerweile ist der Lärmschutz für die Einwohner von Maranello wichtiger.

Immerhin drehen die Serienfahrzeuge der Italiener hier noch ihre Testrunden. Wie der Ferrari 296 Speciale der FAT Mobility zur Testfahrt in Fiorano und über öffentliche Straßen zur Verfügung stand. Das zweisitzige Coupé ist eine tiefgreifende Weiterentwicklung des zivilen 296 Berlinetta und leistet 880 PS auf eine spektakuläre, Ferrari-like Art – obwohl hier kein eigentlich markentypischer V8-Mittelmotor röhrt, sondern ein Plug-in-Hybrid mit V6 plus 180 PS starken E-Aggregat. Doch der druckvolle Antritt aus dem Stand und die Power bei brüllenden 8500 Umdrehungen, die noch mal so richtig zulangen, erfüllen alle Ferraristi-Träume.

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Der neue Speciale übertrifft selbst die Leistung des aktuellen V12-Frontmotor-Modells. Mit seinem Konzept, das Zylinderzahl und -Hubraum durch Elektrifizierung ersetzt, lehnt sich der 296 an das Reglement der Formel 1 an – wie übrigens auch der neue Extremsportwagen F80. Und auch, wenn manche Fans der Marke dem V8 nachtrauern, dürfte der Systemwechsel der Beliebtheit der Renner aus Maranello der Beliebtheit keinen Abbruch tun. Im Gegensatz zu Porsche geht es der ebenfalls börsennotierten italienischen Sportwagen-Marke jedenfalls blendend.

Über seine Haupt-Anteilseigner aus dem Agnelli-Elkann-Clan ist Ferrari mit dem Stellantis-Konzern verbandelt, trotzdem „machen wir technisch komplett unser eigenes Ding“, wie ProduktmanagerStefano Frigeri betont. Den Plug-in-Hybrid mit V6 habe man als Antrieb gewählt, weil er Leistung, Gewicht und Balance auf optimale Weise vereine. Und eben auch Sound, der mehr sein soll als Kulisse, nämlich laut Frigeri „dem Fahrer präzise Rückmeldung gibt, was sein Auto gerade tut“. Der 296 verkörpere perfekt die fünf Ferrari-Säulen der Emotionalität, als da wären: Längsbeschleunigung, Querbeschleunigung, Schalten, Bremsen sowie Sound.

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Für das Power-Plus gegenüber der Basisversion ging Ferrari tief ins Detail, ersetzte etwa die Stahl-Pleuel im Sechszylinder-Motor durch solche durch Titan – was dort 30 Prozent an bewegten Massen spart. Dazu optimierte man die Aerodynamik. So fährt der Heckspoiler in zwei Höhen aus, bei 180 und 250 km/h. An der Front wurde der Luftstroms aufwändig optimiert. Der daraus resultierende, um 20 Prozent gesteigerte Anpressdruck lässt den Speciale förmlich am Boden kleben, während der Fahrer ihn mit der straffen Lenkung präzise durch schnelle oder enge Kurven dirigiert.

Verblüffend dabei ist, wie einfach sich dieses extreme Fahrzeug fährt, von dem es auch eine Spider-Version names Aperta geben wird. Dabei bietet es immer noch einen Rest an Komfort – auch wenn die Insassen mit fixen Vierpunkt-Gurten an den Carbon-Sitzen festgezurrt sind. Im Cockpit prunkt beste Ferrari-Mechanik mit echten Schaltern, wie dem bekannten Manettino im Lenkrad zur Wahl des Fahrmodus,Das große Digital-Display fügt sich perfekt ein; der Beifahrer überwacht die Tour an seinen eigenen schmalen Screen.

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Ungewöhnlich wirkt die neu eingeführte Farbe: Nürburgring-Green. Dabei ist der 296 Speciale für keine offizielle Rennklasse homologiert. Wer die „grüne Hölle“ in der Eifel in seinem 407000 teuren Renner tatsächlich selbst erleben möchte, mietet sich dort also zur bezahlten Touristenfahrt ein. Oder er hofft, dass Ferrari ihn ein paar Runden in Fiorano drehen lässt. Die bester Zeit der eigenen Testfahrer, die es zu schlagen gilt, sind 79 Sekunden.